301.03.1001.03.10|Dietzenbach
Artikel drucken|Artikel empfehlen|Schrift a / A
Dietzenbach ‐ „Fragil“ – so lautet das gegenwärtige Kabarettprogramm Django Asüls, das Zeugnis über so manches meisterliche und wahnwitzige politische Kabinettstück abliefert und dabei – selbstverständlich – voll auf der Höhe der Zeit ist. Von Matthias Towae

© mat
Der unvergessliche Matthias Beltz hat ihn einst inspiriert, sich selbst einmal im Kabarett zu probieren: Seit 13 Jahren nun geht Django Asül, bekannt unter anderem aus den Fernsehsendungen „Neues aus der Anstalt“ oder dem „Satire-
Ganz gleich, welches Thema der türkische Kabarettist mit dem niederbayerischen Dialakt aufs Tableau hob, er verstand es, seine große und bunt gemischte Besucher-
Die Losung „Kein Tempolimit“, wie sie die FDP auf Bundesebene für Reformen auslobt, nahm sich Django Asül zu Herzen: Wie ein virtuoser Derwisch feuerte er einen Brüller nach dem nächsten ab – stilvoll wohlgemerkt, denn auch, wenn sein Gürtel unterhalb seines Sakkos hervorblitzte, so wirklich unterhalb der Gürtellinie zielte keiner seiner amüsanten und sarkastischen Bemerkungen.
Ob beispielsweise die „Subprime-
Asül seziert und kommentiert die politische Lage aufs Trefflichste und zeichnet auf diese Weise ein stimmiges, trocken-
Eine besondere Geste, die leider immer noch Seltenheitswert genießt, war es denn auch, als sich der Meister in der obligatorischen Pause unter seine Schüler, sprich: sein Publikum, mischte und jenen somit die Möglichkeit bot, auf Tuchfühlung mit ihm zu gehen. Einige nahmen dies dann auch zum Anlass, einen Schnappschuss fürs Fotoalbum zu ergattern und einen Plausch mit ihm zu halten.
Fragile, also, nicht von Dauer gekrönte Strukturen sind es wohl und zwar, an denen die Gesellschaft eigentlich zerbrechen müsste – eigentlich… Denn eigentlich ist alles ja nur halb so wild und im Grunde genommen auch gut so, wie es ist, denn die Welt wäre wohl eine traurige, brächte sie nicht immer wieder Steilvorlagen für wunderbar komische Kabarettprogramme hervor, wie sie Asül zu schreiben imstande ist.
Schön, dass es solche aufgeweckten Enthüller wie Asül gibt, die sich wiederum für uns den Kopf zerbrechen, sich anschicken, uns die Welt zu erklären und sie somit erträglicher machen. Mit anderen Worten: „Let’s talk turkey!“, was zu Deutsch so viel heißt wie: Tacheles reden. Kein heißer Brei, sondern heiße Eisen, die angepackt werden – dafür bürgt der „Botschafter von Niederbayern“.

Meinung, Interviews, Analysen und Reportagen, die ganze Geschichte - mehr finden Sie täglich in den Tageszeitungen der Mediengruppe Offenbach-Post.Kostenlose Leseprobe bestellen!
Schreiben Sie zum Beitrag Ihre Meinung oder laden Sie Bilder und Videos zu ihrem Profil hoch. In unserer Community lernen sie sicher auch neue Freunde kennen.