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Stilvoll, sarkastisch und tagesaktuell: Kabarettauftritt im Bürgerhaus begeistert - Dietzenbach - Lokalmeldungen - Lokales - op-online.de

Stilvoll, sarkastisch und tagesaktuell: Kabarettauftritt im Bürgerhaus begeistert

Django Asül redet Tacheles

301.03.1001.03.10|DietzenbachFacebook
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Dietzenbach ‐ „Fragil“ – so lautet das gegenwärtige Kabarettprogramm Django Asüls, das Zeugnis über so manches meisterliche und wahnwitzige politische Kabinettstück abliefert und dabei – selbstverständlich – voll auf der Höhe der Zeit ist. Von Matthias Towae

© mat

Der unvergessliche Matthias Beltz hat ihn einst inspiriert, sich selbst einmal im Kabarett zu probieren: Seit 13 Jahren nun geht Django Asül, bekannt unter anderem aus den Fernsehsendungen „Neues aus der Anstalt“ oder dem „Satire-Gipfel“, mit einem eigenen Bühnenprogramm auf Tournee. „Fragil“ heißt seine aktuelle Show, die er auch im Capitol präsentierte.

Ganz gleich, welches Thema der türkische Kabarettist mit dem niederbayerischen Dialakt aufs Tableau hob, er verstand es, seine große und bunt gemischte Besucher- und Anhängerschar im annähernd ausverkauften Bürgerhaus-Capitol von der ersten Minute an prächtig zu unterhalten und mitzureißen.

Die Losung „Kein Tempolimit“, wie sie die FDP auf Bundesebene für Reformen auslobt, nahm sich Django Asül zu Herzen: Wie ein virtuoser Derwisch feuerte er einen Brüller nach dem nächsten ab – stilvoll wohlgemerkt, denn auch, wenn sein Gürtel unterhalb seines Sakkos hervorblitzte, so wirklich unterhalb der Gürtellinie zielte keiner seiner amüsanten und sarkastischen Bemerkungen.

Ob beispielsweise die „Subprime-Krise“ und deren „bemitleidenswerte“ Akteure („Es gibt keine Verluste, sondern nur Wertberichtigungen“), über die er sinnierte und ob deren Unfähigkeit harsch abwatschte, oder aber – ganz aktuell – der Rücktritt von EKD-Ratsvorsitzender Margot Käßmann („Es ist schade um sie, denn sie war eine Art ökumenischer Papst“) – der Kabarettist fand stets treffende Worte und sprach dem Publikum aus der Seele. Ein Umstand, der im ersten Moment immer wieder große Verzückung in Form lautstarken Lachens provozierte, an das sich allseits großes Aufatmen anschloss, da Asül mit gnadenloser Härte den Kern der Sache traf –  an dem man sich sonst womöglich verschluckt hätte.

Kein heißer Brei, sondern heiße Eisen

Asül seziert und kommentiert die politische Lage aufs Trefflichste und zeichnet auf diese Weise ein stimmiges, trocken-humoriges Meinungsbild. Kein Wunder folglich, dass ob solch großartiger und für das geneigte Publikum anspruchsvoller, da voraussetzungsvoller Unterhaltungskunst kein Auge so recht trocken bleiben wollte.

Eine besondere Geste, die leider immer noch Seltenheitswert genießt, war es denn auch, als sich der Meister in der obligatorischen Pause unter seine Schüler, sprich: sein Publikum, mischte und jenen somit die Möglichkeit bot, auf Tuchfühlung mit ihm zu gehen. Einige nahmen dies dann auch zum Anlass, einen Schnappschuss fürs Fotoalbum zu ergattern und einen Plausch mit ihm zu halten.

Fragile, also, nicht von Dauer gekrönte Strukturen sind es wohl und zwar, an denen die Gesellschaft eigentlich zerbrechen müsste – eigentlich… Denn eigentlich ist alles ja nur halb so wild und im Grunde genommen auch gut so, wie es ist, denn die Welt wäre wohl eine traurige, brächte sie nicht immer wieder Steilvorlagen für wunderbar komische Kabarettprogramme hervor, wie sie Asül zu schreiben imstande ist.

Schön, dass es solche aufgeweckten Enthüller wie Asül gibt, die sich wiederum für uns den Kopf zerbrechen, sich anschicken, uns die Welt zu erklären und sie somit erträglicher machen. Mit anderen Worten: „Let’s talk turkey!“, was zu Deutsch so viel heißt wie: Tacheles reden. Kein heißer Brei, sondern heiße Eisen, die angepackt werden – dafür bürgt der „Botschafter von Niederbayern“.

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